Annik zu Gast bei WasGehtApp

Wie Ihr schon gemerkt habt, bin ich gerade etwas podcastfaul. Das kommt immer mal wieder vor – kein Grund zur Sorge. Umso schöner war es, dass Malte und Julia mich gebeten haben, in ihrem nigelnagelneuen Podcast WasGehtApp zu Gast zu sein und mit ihnen über’s Podcasting zu quatschen. Wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr den Podcast hier herunterladen oder gleich hier anhören:

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Und plötzlich ist mir Facebook schnurz.

Ich bin froh, dass ich nicht Mark Zuckerberg bin. Nicht nur wegen der Fußbekleidung. Denn sein Kapital ist flüchtig. Ich bin flüchtig. Vor einem halben Jahr noch konnte ich Lobeshymnen auf Facebook schreiben. Ich war jeden Tag “drin”. Schaute meine Nachrichten an, spielte eine Runde “Jungle Jewels”, sah mir den unglaublich wichtigen Stream meiner Freunde an und kommentierte hier und likte da. Facebook gehörte zum festen Tagesablauf, war eine willkommene Ablenkung von der eigentlichen Arbeit am Rechner.
Und dann? Von heute auf morgen, oder besser gesagt von gestern auf heute, ist mir Facebook komplett schnurz. Ich habe nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. Ich surfe nur noch hin, um berufliches zu erledigen – für meine Auftraggeber zu posten oder Kommentare zu checken. Dann bin ich wieder weg. Ich schreibe nichts mehr dort. Ich spiele nicht mehr. Ich lasse Nachrichten oft lange liegen und konzentriere mich wieder auf den guten alten Mailverkehr. Warum? Ich kann es nicht sagen. Aber offenbar geht es nicht nur mir so. Facebook ist ein großes Spiel. Und an Spielen verliert man irgendwann die Lust. Wo treibe ich mich stattdessen rum? Bei Twitter. Bei Pinterest. Bei StumbleUpon. Auf Blogs. Und es fehlt mir: Nichts. Komisch, oder?
Vielleicht wird das wieder anders. Vielleicht werde ich in ein paar Tagen oder Wochen merken, dass ich ohne die Geburtstags-Erinnerungen bei Facebook nicht mehr leben kann. Dass mein Leben zerbröselt ohne die wunderbaren Chats und Anstupser. Bis dahin kann ich nur sagen: Ätschbätsch, Mr. Zuckerberg. Meine Abhängigkeit hat sich von selbst entzogen. Ich bin nicht mehr süchtig, ich habe mich entwöhnt, bin dem Facebook-Universum entwachsen. Ja, ich schaue hin und wieder rein. Aber es gibt Wichtigeres. Und es tut gut, das zu schreiben – und es auch wirklich zu meinen.

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Ich habe das Denken verlernt

Gut, ganz so schlimm ist es (noch) nicht. Aber dennoch habe ich das Gefühl, dass ich weniger denke als früher. Geht’s Euch auch so? Der Hauptgrund ist, glaube ich, dass ich selten alleine in meinem Kopf bin. Meistens ist noch jemand dabei. Und jetzt bitte nicht den Psychiater rufen. Die Stimmen, die ich höre, sind ganz normale Stimmen aus meinem iPod-Kopfhörer. Aber es ist doch so: Wenn ich das Haus verlasse, um S-Bahn zu fahren, Einkaufen zu gehen, sonstwas langweiliges zu machen, höre ich Podcasts. Oder ich telefoniere mit dem Handy. Die Zeit wird “genutzt” – so kommt es mir zumindest meistens vor.

Wenn ich aber darüber nachdenke (ich denke also doch noch, puh, Glück gehabt), dann ist jede Sekunde vollgestopft mit Inhalten. Was fehlt, sind die Leerlauf-Zeiten. Die Zeiten, in denen der Kopf gar nichts zu tun hat. In denen die Augen starr am Bahnhof auf eine graue Wand gerichtet sind und sich die Langeweile breit macht. Denn in diesen Momenten sind mir früher die besten Ideen gekommen. Und diese Ideen fehlen mir heute sehr.

Genauso die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen. Das große Weltgeschehen auf einen kleinen Nenner zu bringen. Ich hätte selber nicht gedacht, dass ich das mal sagen werde – aber in der Schulzeit ging das alles besser. Da war das Nachdenk-Gehirn gut geschult (im wahrsten Sinne des Wortes), der Muskel sozusagen warm, da flutschte das irgendwie. Mittlerweile ist das Gehirn nur noch für blöden Kram im Einsatz, nicht mehr für die wirklich wichtigen Fragen.

Ich bin zwar produktiv, ich bin gut organisiert mit meinen To-Do-Listen, ich pflege meine sozialen Kontakte und kriege das alles ganz gut auf die Reihe – aber mein Kopf braucht seine Langeweile zurück. Und die werde ich mir irgendwie wieder einrichten. Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder sogar Lösungen? Her damit!

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